Unterbiss

Ein Unterbiss, medizinisch auch als Progenie bezeichnet, ist eine Kieferfehlstellung, bei der der Unterkiefer im Vergleich zum Oberkiefer zu weit nach vorne ragt. Diese Fehlstellung kann angeboren sein oder sich im Laufe des Wachstums entwickeln und ist sowohl ästhetisch als auch funktionell problematisch. Ein prominenter Unterbiss beeinträchtigt nicht nur die Gesichtsharmonie, sondern auch die gesamte Kieferfunktion.Durch die ungleichmäßige Belastung von Kiefergelenken und Muskulatur kann es zu schmerzhaften Verspannungen, Kiefergelenkproblemen und Fehlentwicklungen der Zähne kommen. Auch das Kauen, Sprechen oder sogar das Atmen kann durch einen ausgeprägten Unterbiss erschwert werden.

Ursachen

1. Genetische Faktoren
Ein Unterbiss kann vererbt werden, wenn ein Elternteil oder Verwandter ebenfalls eine ähnliche Kieferfehlstellung hat. Genetische Unterschiede im Wachstum des Ober- und Unterkiefers führen zu einer nicht übereinstimmenden Kieferstellung.
2. Kieferwachstumsstörungen
Im Wachstum können die Kiefer nicht gleichmäßig wachsen. Wenn der Unterkiefer stärker wächst als der Oberkiefer, führt dies zu einem Unterbiss. Dies tritt häufig in der Wachstumsphase während der Pubertät auf.
3. Zahnfehlstellungen
Ein Unterbiss kann auch durch Zahnfehlstellungen verursacht werden, bei denen die Zähne nicht richtig ausgerichtet sind, was zu einer fehlerhaften Bissstellung führt. Auch Zahnverlust oder falsch sitzende Zahnfüllungen können sich negativ auf die Kieferstellung auswirken.
4. Traumatische Ursachen
Verletzungen oder Traumata im Gesicht und Kieferbereich können zu einer Verschiebung der Kieferposition führen, was einen Unterbiss begünstigen kann.
5. Funktionelle Ursachen
Fehlhaltungen und Verspannungen der Kiefermuskulatur können die normale Kieferbewegung und -funktion beeinträchtigen. Dies kann sich auch auf den Biss und die Ausrichtung der Kiefer auswirken. 

Symptome

  • Ästhetische Probleme Ein auffälliger Unterbiss führt zu einer unproportionalen Kieferform und verändert das Profil des Gesichts, was häufig als kosmetisches Problem wahrgenommen wird. Besonders in sozialen Interaktionen kann dies zu Selbstbewusstseinsproblemen führen.
  • Schwierigkeiten beim Kauen und Sprechen Ein Unterbiss kann zu einer eingeschränkten Kieferbeweglichkeit führen. Das Kauen von Nahrungsmitteln wird erschwert, da die Zähne nicht optimal aufeinanderpassen. Auch das Sprechen kann betroffen sein, insbesondere bei der Artikulation von Lauten, die einen exakten Biss erfordern.
  • Kieferschmerzen und Verspannungen Ein unausgeglichener Kiefer führt zu einer erhöhten Belastung der Kiefermuskulatur und der Kiefergelenke, was langfristig zu Schmerzen und Verspannungen führen kann. Insbesondere die Kaumuskeln, der Masseter und der Temporalis, sind häufig betroffen.
  • Eingeschränkte Mundöffnung Ein Unterbiss kann die Beweglichkeit des Unterkiefers einschränken, was zu einer verminderten Mundöffnung führt. Diese Einschränkung kann das Sprechen, Kauen und sogar das Atmen erschweren.
  • Knirschen und Zähnepressen Viele Menschen mit Unterbiss neigen zum Zähneknirschen oder Pressen, was zusätzliche Zahnschäden und Kiefergelenksprobleme verursachen kann.

Therapiemöglichkeiten mit CRANii® 

  • Gezielte Muskelentspannung:
    Bei einem Unterbiss ist die Kaumuskulatur häufig einseitig überlastet. Mit speziellen CRANii® Release-Techniken werden verspannte Muskelgruppen – wie M. masseter, M. temporalis oder M. pterygoideus – sanft gelöst, um muskuläre Dysbalancen zu reduzieren und die Kieferbeweglichkeit zu verbessern.
  • Myofunktionelles Training:
    Durch funktionelles Face-Training wird die Muskulatur rund um Mund, Wangen und Zunge gezielt aktiviert und neu koordiniert. Ziel ist es, ein ausgewogenes muskuläres Gleichgewicht zwischen Ober- und Unterkiefer herzustellen, um unphysiologische Bewegungsmuster langfristig zu korrigieren.
  • Kiefergelenk- und Mobilisationstechniken:
    Mit spezifischen Mobilisationsübungen aus dem CRANii® Konzept kann die Gleit- und Rollbewegung des Kiefergelenks verbessert werden. Dies unterstützt eine gleichmäßige Bewegung beider Kieferhälften und entlastet das Gelenk.
  • Haltungs- und Atemtraining:
    Ein Unterbiss geht oft mit einer kompensatorischen Körperhaltung oder flacher Atmung einher. CRANii® kombiniert Haltungsschulung mit funktionellem Atemtraining, um die Körperstatik positiv zu beeinflussen und die Kieferposition indirekt zu unterstützen.
  • Integrierte Selbstbehandlung:
    Betroffene lernen, einfache Selbsttechniken aus dem CRANii® System in den Alltag zu integrieren – etwa durch manuelle Eigenbehandlung, gezielte Entspannungseinheiten oder kurze Trainingsroutinen, die regelmäßig angewendet werden können.
  • Unterstützung bei prä- oder postoperativer Behandlung:
    Bei schwerwiegenden Unterbissformen ist eine kieferchirurgische Maßnahme oft notwendig. CRANii® bietet hier eine begleitende Therapie vor und nach dem Eingriff, um die Heilung zu fördern, Schmerzen zu reduzieren und eine harmonische Muskel- und Gelenkfunktion wiederherzustellen.

Prävention – was du tun kannst

  • Frühzeitige kieferorthopädische Kontrolle Regelmäßige Besuche beim Kieferorthopäden ab dem Kindesalter sind entscheidend, um eine Fehlentwicklung der Zähne und Kiefer frühzeitig zu erkennen und zu korrigieren.
  • Vermeidung von schädlichen Gewohnheiten Zahn- und Kieferfehlstellungen können durch Schluckgewohnheiten (z. B. Daumenlutschen) oder das nächtliche Zähneknirschen verstärkt werden. Diese Gewohnheiten sollten frühzeitig abgestellt werden.
  • Korrektur von Zahnfehlstellungen Bei kleinen Zahnfehlstellungen können bereits Zahnspangen oder Aligner helfen, die Stellung der Zähne zu verbessern, bevor sie zu einem größeren Kieferproblem führen.
  • Postoperative Therapie Nach chirurgischen Eingriffen ist es wichtig, dass die Patienten gezielte Übungen durchführen, um die Kiefermuskulatur wieder funktionsfähig zu machen und die Gelenke zu entlasten. Diese therapeutischen Maßnahmen sind besonders wichtig, um das Ergebnis der Operation zu stabilisieren.

passende übung:

cranii O A Pushings Unterbiss Übung Face Workout
  1. Proffit, W. R. et al. (2019)Contemporary Orthodontics, 6th Edition. PubMed

  2. Jena, A. K. et al. (2014)Clinical evaluation and treatment outcomes of skeletal Class III malocclusion. PubMed

  3. Sung, J. H. et al. (2017)Surgical and nonsurgical treatment of skeletal Class III malocclusion. PubMed

  4. Bishara, S. E. (2006)Textbook of Orthodontics. Elsevier

  5. Kharbanda, O. P. (2017)Orthodontics: Diagnosis and Management of Malocclusion and Dentofacial Deformities. Elsevier

  6. McNamara, J. A. Jr. (2016)Orthodontics and Dentofacial Orthopedics. Ann Arbor

  7. Proffit, W. R. & Fields, H. W. (2013)Contemporary Orthodontics. Mosby

  8. Graber, L. W. et al. (2012)Orthodontics: Current Principles and Techniques. Elsevier

  9. Silva Filho, O. G. et al. (2015)Growth modification for Class III malocclusion: a systematic review. PubMed

  10. McNamara, J. A. Jr. (1998)Orthodontics and Craniofacial Development. Ann Arbor

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