Überbiss

Ein Überbiss (auch Tiefbiss genannt) liegt vor, wenn die oberen Frontzähne den Unterkiefer übermäßig überdecken. Diese häufige Zahnfehlstellung kann zu Fehlbelastungen im Kiefergelenk, Verspannungen in Nacken und HWS, Zahnhartsubstanzverlust sowie Sprach- oder Schluckstörungen führen. CRANii® setzt genau hier an: Mit einem interdisziplinären Therapieansatz aus Physiotherapie, Osteopathie und Logopädie wird die Funktion gezielt verbessert, Schmerzen gelindert und das Risiko langfristiger Folgeschäden reduziert.  

Ursachen

1. Genetik & Wachstum
Ungleichmäßiges Längenwachstum von Ober- und Unterkiefer – meist bereits im Kindesalter erkennbar.
2. Kindliche Habits
Dauerhafte Angewohnheiten wie Daumenlutschen, Schnullergebrauch oder Zungenpressen fördern die Fehlstellung.
3. Bruxismus
Nächtliches Zähneknirschen oder -pressen verschärft den Überbiss durch ständige Muskelbelastung.
4. Zahnverlust
Fehlen Zähne, kann es zu einem Ungleichgewicht und einer veränderten Bisslage kommen.
5. Myofasziale Dysbalancen
Verspannte Kaumuskeln oder verklebte Faszienzüge (v. a. Masseter, Temporalis) können den Unterkiefer zusätzlich „nach hinten ziehen“.  

Symptome

  • Kiefergelenkschmerzen (z. B. Knacken, Reiben, Bewegungseinschränkungen)
  • Kaumuskelverspannungen (Masseter, Temporalis, Pterygoideus)
  • Zervikalsyndrom: Nacken-, Hinterkopf- und Schulterschmerzen
  • Abrasionen an den Frontzähnen (Zahnhartsubstanzverlust)
  • Sprach- oder Schluckprobleme (z. B. Lispeln, Restbolusgefühl)
  • Eingeschränkte Kieferöffnung
 

Therapieansätze mit CRANii®

Physiotherapie & Osteopathie
  • Manuelle Kiefergelenksmobilisation (Entlastung und zentrisches Einstellen des Kondylus)
  • Faszienbehandlung der Kaumuskulatur (z. B. Gua Sha, Cupping, Triggerpunktarbeit)
  • Kräftigungs- und Dehnprogramme (Masseter, Temporalis, Pterygoideus)
  • HWS- und Schädelbasisintegration (v. a. Atlas/Axis, erste Rippen)
  Logopädie & Myofunktionelles Training
  • Zungenruhelage & Lippenverschluss: Zungenspitze am Gaumen, Lippen locker geschlossen
  • Artikulationstraining: Zielgerichtete Betonung von P-, B-, D- und T-Lauten
  • Schlucktraining (z. B. Re-Patterning, Zungenbahnkorrektur, nasale Atmung)
  • Biofeedback-Übungen (z. B. mit Spiegel, App oder Palpation zur Selbstkontrolle)
 

Prävention – das kannst du tun

  • Kindliche Habits frühzeitig erkennen und abtrainieren (z. B. Daumenlutschen)
  • Aufbissschienen bei Bruxismus einsetzen (z. B. nachts)
  • Regelmäßige Körperhaltungschecks (v. a. Kopf-, Nacken- und Schulterposition)
  • Tägliche Mobilisationsroutine (1–2 Min) für Kiefer, HWS und Zunge
  • Zahnärztliche Frühkontrollen (z. B. kieferorthopädische Abklärung im Kindesalter)

passende übung:

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  1. Proffit, W. R. et al. (2019)Contemporary Orthodontics, 6th Edition. PubMed

  2. Janson, G. et al. (2018)Long-term stability of Class II malocclusion treatment: Overjet and overbite changes. PubMed

  3. Thiruvenkatachari, B. et al. (2013)Orthodontic treatment for prominent upper front teeth (Class II malocclusion) in children and adolescents. PubMed

  4. Bishara, S. E. (2006)Textbook of Orthodontics. Elsevier

  5. Kharbanda, O. P. (2017)Orthodontics: Diagnosis and Management of Malocclusion and Dentofacial Deformities. Elsevier

  6. McNamara, J. A. Jr. (2016)Orthodontics and Dentofacial Orthopedics. Ann Arbor

  7. Graber, L. W. et al. (2012)Orthodontics: Current Principles and Techniques. Elsevier

  8. Proffit, W. R. & Fields, H. W. (2013)Contemporary Orthodontics. Mosby

  9. Owman-Moll, P. & Kurol, J. (2000)Class II treatment with functional appliances. Quintessence

  10. McNamara, J. A. Jr. (1998)Orthodontics and Craniofacial Development. Ann Arbor


 

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